Praktische Tipps

Aufenthaltsbedingungen an Fernzielen:

 

Fernreisende möchten Risiken für das körperliche Wohlbefinden minimieren. Gefahren können sich aus veränderten Wirkungen von Klimaelementen wie Strahlung, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Sonnenscheindauer ergeben. Diesem Wunsch steht allerdings eine erstaunliche Sorglosigkeit gegenüber, vor allem bei Last-Minute-Reisenden. Wie Umfragen an internationalen Flughäfen Europas ergaben, hatten >40% der Fernreisenden keinen Arzt vor ihrer Reise aufgesucht oder sich über mögliche Gesundheitsrisiken im Urlaubsland informiert. Häufigste Ziele waren Thailand, Ägypten und die Dominikanische Republik. Impfempfehlungen wurden selten befolgt, über das Malariarisiko am Zielort und über empfohlene Prophylaxe herrschte beträchtliches Unwissen.

Sie können und sollten keine detaillierten reisemedizinischen Auskünfte geben, aber im Überblick informiert sein, allgemeine Empfehlungen geben und an zuständige Stellen verweisen können. Für die Beurteilung der Reisefähigkeit steht der Hausarzt an erster Stelle. Durch eine reisemedizinische Beratung lässt sich das Risiko verringern, am Zielort unter Unpässlichkeiten zu leiden oder gar zu erkranken. Bei Geschäftsreisen sind medizinische Konsultationen vor und nach der Reise auch deshalb ratsam, weil sich dann mögliche Erkrankungen leichter als berufsbedingt begründen lassen.
Zur Standardliteratur gehören:
Müller-Sacks: „Ärztlicher Ratgeber für Auslandsaufenthalte“. Springer 1996
Frühwein u. Nothdurft: „Gesundheit auf Reisen“. Kümmerly + Frey. 1999


Wo erhalten Sie reisemedizinische Auskünfte?

Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und internationale Gesundheit. München

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Köln

www.travelmed.de

www.fit-for-travel.de

www.gesundes-reisen.de

 

Prägen Sie sich als Basiswissen für Kundenkontakte zumindest „drei Säulen“ ein:

  • Überprüfung des bestehenden Impfschutzes (Tetanus, Diphtherie und Poliomyelitis). Die letzte Vakzination sollte nicht länger als 10 Jahre zurückliegen.
  • Malariavorbeugung, Schutzimpfungen (Hepatitis-A und B, Gelbfieber und Typhus),
  • allgemeine Verhaltensregeln wie "Koch es, brat es, schäl es oder vergiss es" (Cook it, boil it, peel it or forget it), Schutz gegen Sonnenbrand sowie in Afrika unbedingtes Vermeiden von Baden in Binnengewässern (Bilharziosegefahr).

Vor den Urlaubsfreuden in der Ferne steht die Anreise und damit die Gefährdung durch die Reisekrankheit. Sie kann auch im Zielgebiet auftreten und zumindest kurzfristig den Aufenthalt beeinträchtigen. Gemeint sind Beschwerden wie Blässe und Frösteln, Kopfschmerzen, Schweißausbruch, Schwindel und Übelkeit bis zum Erbrechen. Die Reisekrankheit kannn durch passive Köperbewegungen und Gleichgewichtsstörungen bei Fahrten mit den verschiedensten Verkehrsmitteln auftreten. Als Empfehlungen gelten: mit einer leichten Mahlzeit starten, Alkohol meiden, im Zug, Auto oder Bus in Fahrtrichtung sitzen, auf die Straße sehen statt zu lesen, einen festen Punkt in der Umgebung fixieren oder bewegungsärmere Stellen aufsuchen (im Schiff: Mitteldeck-Mitte).

Allgemeine Problemregionen sind die Tropen, das Hochgebirge und Gebiete jenseits der Polarkreise. Eine repräsentative Studie an über 17.000 erkrankten Reisenden zwischen 1996 und 2004 ermöglicht genauere Aussagen zum Umfang der Erkrankungen und ihrer regionalen Zuordnung. Danach benötigten etwa 8% der Reisenden in Entwicklungsländer medizinische Hilfe während oder nach der Reise. Die ersten Plätze nahmen in allen Regionen (Zentralamerika, Karibik, Südamerika, Süd- und Zentralasien, Südostasien und Sonstige) die akute und die chronische Diarrhö mit einem Anteil zwischen 20 und über 30% (Südostasien) ein. Lediglich im subsaharischen Afrika betrug der Anteil an Durchfall erkrankter Touristen „nur“ 15%. Hier stand Malaria mit über 20% an erster Stelle. Die tropischen Küsten West- und Ostafrikas und ihr Hinterland, die indonesischen Inseln östlich von Bali sowie Regionen im Amazonasbecken gelten als Malaria-Hochrisikogebiete. Danach folgten in der Leidensstatistik fieberhafte Infekte, Erkrankungen der Atemwege, Insektenstiche, Dengue Fieber in Südostasien, Süd- und Zentralasien sowie im karibischen Raum. Besonders erwähnt werden soll die Hakenwurmkrankheit, weil man sich durch das Tragen von Schuhen wirksam gegen das Eindringen von Hakenwürmern schützen kann. Sie wird in dieser Häufigkeitsstatistik mit etwa 3-4% in Zentralamerika, Südamerika, Südostasien und für die Karibik (8%) angegeben (Quelle: GeoSentinel clinics: New England Journal of Medicine, zitiert aus SDZ v. 3.4.2006).

Die kulinarischen Spezialitäten des Gastlandes gehören zu den ersten Versuchungen am Zielort. Aber Vorsicht! Klima, Unverträglichkeit von Lebensmittel und andersartige hygienische Bedingungen bergen unangenehme Überraschungen. Urlaubsärger Nr. 1 sind Durchfallerkrankungen (akute und chronische Diarrhö). Sie äußern sich über den Durchfall hinaus durch Bauchschmerzen, Schwächegefühl und Erschöpfung. Diarrhö bedeutet gerade bei Bildungsreisen wie etwa bei Nilkreuzfahrten eine unangenehme Unterbrechung des Besichtigungsprogramms. Bei akutem Durchfall genügt „abwarten und (gesüßten) Tee trinken“. Sollten die Beschwerden jedoch länger als zwei Tage anhalten und mit Erbrechen und Fieber einhergehen, Arzt aufsuchen. Da Durchfallerkrankungen meist durch Keime im Essen und in Getränken oder mangelnde Hygiene ausgelöst werden, gilt als Grundregel: nur abgekochtes Wasser oder Mineralwasser aus verschlossenen Originalflaschen trinken. Keine Eiswürfel aus Leitungswasser. Vorsicht bei offenen Speisen wie Milchprodukten, Speiseeis, Mayonnaise, Pudding sowie bei rohen Speisen wie Salaten, Gemüse und Meeresfrüchten. Obst möglichst schälen. Hilfreich kann auch der Tipp sein, präventiv kleine Portionen zu verzehren und beim Essen auf Getränke zu verzichten.

Stechmücken können allergische Reaktionen auslösen. Darüber hinaus sind sie Überträger von Malaria, Dengue-Fieber und anderen Virus-Erkrankungen. Nachdem das Insektizid DDT nicht mehr eingesetzt werden darf, nimmt die Malariagefahr wieder zu. In den Verbreitungsgebieten kann unabhängig von der medikamentösen Vorsorge ein sinnvoller Mückenschutz das Infektionsrisiko entscheidend reduzieren: hautbedeckende, helle und mit Repellants (Insekten abweisende Mittel) eingesprühte Kleidung, Strümpfe. Falls keine Moskitogitter, Fenster nachts geschlossen halten. Unter imprägniertem Moskitonetz schlafen. Insektizid-Sprays vor dem Gang zum Abendessen im Raum verteilen.

Tropisches Klima ist insbesondere in der sommerlichen Regenzeit mit Wärme, drückender Schwüle, Platzregen und extremer Hitze für Herz und Kreislauf massiv belastend. Bei der Beurteilung der Anfälligkeit müssen die Belastungen berücksichtigt werden, die bereits beim Flug auftreten (veränderte Luft- und Sauerstoffdrucke, Abfall der Luftfeuchtigkeit, Immobilität und jet lag). Lange Flüge und anschließender Wärmeschock können nicht nur bei älteren Menschen Kopfschmerzen und Kreislaufschwäche hervorrufen sowie vorhandene Leiden wieder aufleben lassen. Bei Luftfeuchtigkeit über 70% ist das Schwitzen eingeschränkt. Der Körper muss Schwerstarbeit leisten, um über erweiterte Blutgefäße unter der Haut Wärme abzustrahlen. Mit erhöhter Flüssigkeitszufuhr und leicht salzigen Speisen kann der Feuchtigkeitsverlust durch den Flug und das anschließende Schwitzen wieder ergänzt werden.
Die Anpassung an tropische Klimabedingungen kann eine Woche dauern. Senioren sollten deshalb eine Reisedauer von drei bis vier Wochen anstreben, um einen ausreichenden Erholungseffekt zu erzielen.

An Erkältungsgefahren in den Tropen denkt der Urlauber nomalerweise zuletzt. Aber: Aus dem häufigen Wechsel zwischen klimatisierten Räumen und schwül-heißem Außenklima können sich nicht nur Kreislaufbelastungen, sondern auch Erkältungsgefahren ergeben! Deshalb Klimaanlagen in Bussen und Hotelzimmern moderat einstellen.

Meist erwartet den Touristen am Zielort ungewohnt viel Sonne. Die wärmenden Sonnenstrahlen bilden nicht nur das lebenswichtige Vitamin D in der Haut. Sie erzeugen darüber hinaus ein Wohlgefühl und die angestrebte Bräune. Manche vergessen, dass starke Bräunung weniger ein Zeichen von Gesundheit  als vielmehr eine Abwehrreaktion der Haut darstellt. Es gilt als gesichert, dass intensive UV-Strahlung sowohl eine vorzeitige Hautalterung als auch die Entstehung von Tumoren begünstigt. Hautkrebs ist die weltweit häufigste Krebsart. Deshalb wollen Aufklärungskampagnen vor allem junge Erwachsene erreichen (www.face-the-sun.de). Leider müssen wir auf eine standardisierte  Beschriftung der Hautcremes zum Schutz vor UV-A Strahlen  noch bis 2007 warten.
Intensive Sonnenstrahlung birgt neben der Gefahr von Sonnenbrand und Schäden an der Hornhaut des Auges (UV-B) auch die von Hitzschlag und Flüssigkeitsverlust. Für ausreichenden Sonnenschutz sorgen, je intensiver die solare Strahlung, desto höher muss der Lichtschutzfaktor der Schutzcreme sein. Sie soll etwa 30 Minuten vor Verlassen des Hotels aufgetragen werden.
 Empfehlen Sie Sonnenbrillen mit vollständigem UV-Schutz und großen Gläsern, helle Kleidung, Kopfbedeckung, regelmäßiges Trinken, eiweißarmes Essen und geringe körperliche Anstrengungen. Der Aufenthalt in der Mittagssonne sollte gemieden und Schatten generell bevorzugt werden. Beim Schnorcheln nicht vergessen: Die Sonnenstrahlung reicht bis zu drei Meter tief ins Wasser!
Die Sonnenbrandgefahr ist für den Winteraufenthalt in hoch gelegenen Skigebieten sogar noch höher. Ursachen liegen darin, dass die Haut jahreszeitlich bedingt nicht an die Sonne gewöhnt ist. Solarien eignen sich nur bedingt zur Vorbereitung. Die klare Gebirgsluft lässt die Sonnenstrahlung ungehindert durch. Darüber hinaus reflektiert der Schnee das Sonnenlicht und damit die UV-Bestrahlung.

Für Erstreisende empfehlen sich Hinweise auf die Abnahme der Dämmerung und auf Entfernungseinschätzungen. Tag und Nacht sind in den Tropen fast gleich lang. Die rasch untergehende Sonne hat schon manchen unvorbereiteten Touristen in Verlegenheit gebracht. Deshalb bei abendlichen Ausflügen Name und Anschrift des Hotels notieren und Taschenlampe mit sich führen. Ein dem Föhn vergleichbarer Effekt entsteht bei klarer und sehr trockener Luft: Es kommt zu einer deutlichen Verbesserung der Sichtverhältnisse, die aber zu Fehleinschätzungen von Entfernung führen kann.

Für Reisende mit Lungen- oder Herz-Kreislauf-Problemen bedeutet ein Aufenthalt in Höhen ab 2.000 m (Waldgrenze) oder auch die rasche Überwindung größerer Höhenunterschiede mit Bergbahnen eine deutlich erhöhte Belastung. Bei längeren Aufenthalten oberhalb von 2.500 m („Schwellenhöhe“) ohne Akklimatisation kann das reduzierte Sauerstoff- und Feuchtigkeitsangebot auch bei gesunden Wintersportlern und Touristen zu höhenabhängigen Gesundheitsstörungen führen. Gegen trockene Luft und Kreislaufprobleme hilft es, viel zu trinken. Beim Auftreten von Herzrasen, Atemnot, Schwindel oder Erbrechen ist allerdings unverzüglicher Abstieg erforderlich. Warnzeichen sind Kopfschmerz, Übelkeit, Schlaflosigkeit oder auch Appetitlosigkeit. So sind zwar touristische Rundreisen im Andenbereich meist nur mit kurzfristigen Aufenthalten verbunden. Dennoch können bereits nach dem Flug von Lima (150 m) nach Cuzco (3.400 m) Beschwerden auftreten, und auf dem Flughafen von Alto/La Paz (4.000 m) greifen die ersten Reisenden zu ihrer vorsorglich mitgeführten Sauerstoffdose. Die Besichtigung der Inka-Stätten von Machu Picchu oder im Titicacasee sollte man ruhig angehen und auf Luftnot mit Pausen reagieren. In den Hotels sollte man vom Koka-Tee Angebot Gebrauch machen, dem vorbeugende Wirkungen nachgesagt werden.


Peru: Pass zum Titicacasee. 4335 m
(Quelle: FH 2005)

Falls Sie nach einer Empfehlung zur Kleidung gefragt werden. Generell gilt:

  • in subtropisch-tropischen Regionen leichte, luftige Baumwollbekleidung. Für Wildbeobachtung sind Safari-Anzüge und Kopfbedeckung empfehlenswert. Im Freien und für kühle Abende in den Bergen kann abends Pullover nützlich sein.
  • in vielen Hotels wird abends um formelle Kleidung gebeten, also keine T-Shirts oder Jeans.
  • bei Küstenaufenthalt benötigt der Urlauber im Wesentlichen nur Strandbekleidung und leichte Baumwollsachen für kurze Ausflüge.
  • Vorsicht beim FKK oder Oben-ohne-Baden, besser vorher erkundigen.
  • Regenschutz nicht vergessen. Ausflüge allerdings besser nach den kräftigen Zenitalschauern planen, ein Schirm hilft wenig.
  • feste, trittsichere Schuhe für die Besichtigung von Ausgrabungsstätten, Badeschuhe für den Strand, auch beim Wattwandern Füße schützen.
  • passende Bekleidung kaufen Sie oft preiswert vor Ort (u.a. in Thailand, Dominikanische Republik, Kenia).

 

 

 

 

 

 

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